Die Wahrheit über „Bei aller Liebe“

FAKT: Herr Wieneke, wie haben Sie diesen Wandel vom FAKT-Reporter zur Romanfigur verkraftet?

Wolfgang W. Wieneke: Mich hat ja keiner gefragt.

FAKT: Petra Reski hat Sie nicht gefragt, ob Sie etwas dagegen haben, unter Ihrem Klarnamen in ihrem Roman „Bei aller Liebe“ aufzutauchen?

Wolfgang W. Wieneke: Sehe ich so aus, als ob ich mein Einverständnis dazu gegeben hätte? Die Reski fragt nie um Erlaubnis.

FAKT: Das klingt nicht so, als ob Sie begeistert wären.

Wolfgang W. Wieneke: Wie fänden Sie es, wenn Ihr gesamtes Privatleben in einem Roman ausgebreitet würde? Ich bin total fertig. Ich war beim Therapeuten und sogar beim Anwalt. Der hat mir doch allen Ernstes davon abgeraten, die Reski zu verklagen. Ich meine: Ein Anwalt, der nicht klagen will, ist wie ein Rennfahrer, der auf dem Sofa liegen bleiben will. Francesca hat diesem Weichei …

FAKT: Francesca ist ihre Partnerin?

Wolfgang W. Wieneke: … Ja, Partnerin ist vielleicht etwas zu viel gesagt, Freundin, ja, auf jeden Fall ist sie Italienerin, genauer gesagt: Sizilianerin, was erklärt, dass sie dem Weichei von Anwalt natürlich sofort zugestimmt hat, wie immer. Ihr ist gar nicht aufgefallen, dass sie mir in den Rücken fiel. Sie und der Anwalt haben stundenlang auf mich eingeredet: Ich solle mich doch nicht so aufregen, was die Reski geschrieben hat, sei doch letztlich wahr, ich hätte vor Gericht keine Chance, und so weiter und so fort, und im Grunde sollte ich mich doch geschmeichelt fühlen.  Schließlich geschähe es nicht alle Tage, dass man zur Romanfigur wird und ich solle nur an Robinson Crusoe oder Kapitän Ahab denken, was mir schwer ehrlich gesagt schwer fällt, mir fiel nur Gregor Samsa ein, der sich in einen Käfer verwandelt, Romanfiguren haben auch kein leichtes Leben, also echt, einen Vorteil kann ich darin wirklich nicht sehen.

FAKT: Kennen Sie die Autorin denn persönlich?

Wolfgang W. Wieneke: Ich habe sie ab und zu in Palermo gesehen. Im Justizpalast. Wanzt sich immer an diese Staatsanwältin ran, an diese Serena Vitale. Bringt der ein paar Heiligenfiguren mit, sitzt stundenlang mit ihr in ihrem Büro und sackt die ganzen Infos ein.

FAKT: Die Heiligenfiguren sind also praktisch ein Bestechungsversuch?

Wolfgang W. Wieneke: Also ich würde das so sehen.

FAKT: Und in den anderen beiden Romanen tauchen Sie auch auf, in „Palermo Connection“ und in „Die Gesichter der Toten“.

Wolfgang W. Wieneke: Seitdem ich weiß, wie die Reski mich und mein Privatleben ausbeutet, habe ich so ein Scheiß-Big-Brother-Gefühl, ständig habe ich die Reski im Nacken, sogar im Bett.

FAKT: Im Bett??

Wolfgang W. Wieneke: Francesca sagt, dass ich angefangen habe, zu rascheln.

FAKT: Rascheln??

Wolfgang W. Wieneke: Ja, rascheln. Wenn ich mich bewege, würde ich rascheln. Im Bett. Versuchen Sie dann mal, Sex zu haben. Mit einer Sizilianerin, der außer Santa Rosalia sowieso nichts heilig ist.. Da rührt sich nix mehr. Was die Reski macht, ist Stalking, reinstes Stalking!

FAKT: Aber dafür kann man sie doch verklagen.

Wolfgang W. Wieneke: Dachte ich auch. Aber der Anwalt hat gesagt: Stalking ist das erst, wenn die Reski jede Woche so einen Roman raushaut. Und das schafft sie ja nicht.

FAKT: Die FAKT-Redaktion kommt in den Reski-Romanen auch nicht so gut weg. Vor allem unser Chefredakteur nicht.

Wolfgang W. Wieneke: Keine Ahnung, von wem sie die Info hat, von mir nicht. Versuchen Sie doch mal, die Reski zu verklagen.

FAKT: Aber immerhin scheint sie ein Herz für freie Journalisten zu haben, so wie sie Ihre Schwierigkeiten beschreibt.

Wolfgang W. Wieneke: Da, wo andere Leute ein Herz haben, sitzt bei der Reski ein Schreibprogramm. Wer soll mir denn noch Aufträge erteilen, nachdem die ausgebreitet hat, wie abgebrannt ich bin? Jetzt glaubt doch jeder, dass ich für ‘nen Hunni ‘ne Reportage ausspucke.

FAKT:  In dem Roman kommt jedoch klar zum Ausdruck,  dass Sie ein Gespür für die richtigen Themen haben: Mafia, Medien und Migranten.

Wolfgang W. Wieneke: Glauben Sie im Ernst, dass ich da nicht von allein drauf gekommen wäre? Dass ich dafür die Reski brauche?

FAKT: Nein, aber wenn man kein Italienisch spricht, so wie Sie, dann ist es vielleicht nicht ganz so einfach, durchzublicken. Als Sie noch bei FAKT gearbeitet haben, hatten Sie bei Ihren Mafia-Recherchen immer diesen italienischen Fotografen dabei, Giovanni. Der hat sie doch in Palermo eingeführt, wenn ich mich recht erinnere.

Wolfgang W. Wieneke: Darüber werde ich hier nicht reden.

FAKT: Müssen Sie auch nicht. Man kann es ja in „Palermo Connection“ nachlesen.

Wolfgang W. Wieneke: Warum verklagt FAKT die Reski nicht? Seid Ihr zu feige?

FAKT: Unsere Justiziare sehen keinen Anlass dazu. Aber haben Sie sich nie gefragt, wie die Reski an ihre Informationen kommt? In dem Roman sind doch auch ziemlich intime Dinge über Sie zu lesen.

Wolfgang W. Wieneke: Ich war schon so weit, Francesca für einen Maulwurf zu halten, ich hatte echt schon so eine Art Verfolgungswahn. Aber dann fiel mir dieser komische Italiener wieder ein, über den ich geschrieben habe, der könnte seine Wanzen eingesetzt haben, den Artikel über ihn wollte ich ja auch FAKT anbieten …

FAKT: Aber?

Wolfgang W. Wieneke: Die  Chefredaktion hat gekniffen, wie immer, wenn es sich um eine spannende Geschichte handelt. So  gesehen bin ich eigentlich doch froh, dass der Roman von der Reski erschienen ist.

FAKT: Also hat sich die Reski für Ihren Roman doch nichts ausgedacht?

Wolfgang W. Wieneke: Die Reski  kann sich gar nichts ausdenken, die hat Null Fantasie.

FAKT: Herr Wieneke, vielen Dank für dieses Gespräch.

Petra Reskis Roman „Bei aller Liebe“ erscheint am 18. Juli im Verlag Hoffmann&Campe

 

 

 

 

 

 

 

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